Die Eulen Ludwigshafen

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- Die Rheinpfalz

Wundervoll

Reportage: Das gab es noch nie. Zweimal steigen die Eulen Ludwigshafen direkt nach Aufstieg wieder ab. Doch gestern machten sie das schier Unmögliche möglich. Mit einem 32:29 (16:15)-Sieg gegen den HC Erlangen bleibt die Mannschaft erstmals in der Vereinsgeschichte länger als eine Saison in der deutschen Elite-Klasse. Damit sind die Eulen neben Mainz 05 der einzige Klub in Rheinland-Pfalz, der in einer Massensportart in der Bundesliga spielt – mit dem dem jüngsten Team der Liga.

Von Marek Nepomucký

Ludwigshafen. Ben Matschkes hellseherische Fähigkeiten haben sich gestern bewahrheitet. Zehn Monate nach seiner kühnen Aussage sollte der Trainer der Eulen Ludwigshafen Recht behalten. Er hatte zu Saisonbeginn gesagt, dass am letzten Tag die Entscheidung fallen wird, wer aus der Handball-Bundesliga absteigt.

Um 16.40 Uhr steht der Ligaverbleib der Eulen Ludwigshafen fest. Erstmals in der Vereinsgeschichte steigt der Verein damit nicht unmittelbar wieder nach einem Aufstieg ab. 2010 war das so. 2014 war das auch so. Doch 2018 ist das nicht so. Denn am letzten, am 34. Spieltag einer harten, zermürbenden Saison haben die Eulen Ludwigshafen das „Wunder“ vollbracht. Mit einem 32:29 (16:15)-Erfolg gegen den HC Erlangen vor 2350 Zuschauern in der zum achten Mal in dieser Saison ausverkauften Friedrich-Ebert-Halle bleiben die Eulen Bundesligist.

Um 16.05 Uhr sieht die aktuelle Live-Tabelle der Handball-Bundesliga so aus, wie sie die Eulen-Fans sehen wollen: Ludwigshafen steht auf Platz 16 – und damit auf einem Nicht-Abstiegsplatz. Die Eulen führen gegen Erlangen, und Lemgo dreht einen Rückstand. Das sind die Voraussetzungen für den sicheren Ligaverbleib. Wie sich später herausstellen wird, ändert sich daran nichts mehr. Lemgo baut die Führung aus, und auch die Eulen lösen ihre Aufgabe erstklassig.

Als es dann um 16.40 Uhr endgültig so weit ist, kocht die Eberthalle. Die Fans jubeln, feiern. Die Spieler weinen. Spielmacher Alexander Feld reißt Trainer Matschke um, drückt ihn zu Boden und umarmt ihn lange. Sie brüllen ihre Erleichterung heraus. „Der Druck, die Last sind abgefallen“, schildert David Schmidt den Moment. Der stellvertretende Kapitän spielt seit vier Wochen mit Schmerzmitteln. Er hat eine sogenannte Sportlerleiste. Überbelastung ist der Grund für diese Verletzung. Morgen wird der 24 Jahre alte Schmidt in Kaiserslautern deshalb operiert. Schmidt will aber seine Mannschaft nicht im Stich lassen. Er trainiert daher zweimal die Woche mit Schmerzmitteln und pumpt sich an Spieltagen voll, damit er dem Team helfen kann. „Für mich ist es selbstverständlich, bis zum Schluss alles für die Mannschaft und den Verein zu geben, denn ich habe 15 Freunde in der Kabine sitzen“, sagt Schmidt, dessen Wechsel nach Stuttgart früh feststand.

Schmidt feiert wie seine Mitspieler ausgelassen. Aus den Boxen dröhnt „An Tagen wie diesen“ von den Toten Hosen. Als Kai Dippe aber die „Humba“ anstimmt, wird es plötzlich ganz leise in der Halle. Dippe ist der Einheizer, der Spieler, der sinnbildlich die Leidenschaft bei den Eulen verkörpert. Als Matschke vom Interview mit einem TV-Sender zurückkommt und über das Feld läuft, feiern ihn die Fans frenetisch. Matschke setzt sich zuerst zur Mannschaft auf das Spielfeld, steht dann wieder auf und geht zu Dippe. Der überlässt dem Trainer das Dirigieren. Matschke ruft dann im Zusammenspiel mit den Fans all diejenigen Spieler auf, die wenige Minuten später verabschiedet werden. Es ist sein Dank an diese Spieler.

Zwischenzeitlich haben alle Eulen-Spieler und Betreuer rote T-Shirts übergestreift. Darauf steht: „Abstiegskandidat #1 ... auch in der neuen Saison!“ Es ist ein Seitenhieb an die Handball-Experten. Diese hatten die Eulen als Abstiegskandidaten Nummer eins abgestempelt. Die Eulen ließen sich davon nie aus der Ruhe bringen – auch als sie zwischenzeitlich 17 Spiele ohne Sieg bleiben.

„Ich habe nie daran gezweifelt“, sagt Kevin Klier. Er ist einer von sechs Spielern, die verabschiedet werden. Der Torwart ist der letzte Akteur in dieser Riege. Die Halle wird abgedunkelt, als er an der Reihe ist. Klier ist der dienstälteste Spieler im aktuellen Kader. Er kam 2007. Künftig hängt in der Halle ein überdimensionales Trikot von Klier. Dieses wird von seinem Jugendtrainer Armin Nickel und Freund Steffen Sauer in die Halle getragen. Klier ist sichtlich gerührt. Er weiß davon nichts – bis zu diesem Moment.

Es bleibt nicht die einzige Überraschung. Ein kleiner Film wird eingespielt. Lisa Heßler, Eulen-Prokuristin und Max Haas, zwei pfiffige Angestellte der Eulen, hatten die Idee. Haas schneidet über Nacht den Film zusammen. „Danke für eine aufregende Saison – Danke für jede Menge Spaß – Danke für große Emotionen“ wird nacheinander im Film eingeblendet, während die wichtigsten Szenen der verabschiedeten Spieler dazu gezeigt werden. Es sind ganz emotionale Momente – Momente wie sie der Sport schreibt. Der Film endet mit „Wir sagen Danke.“ Wie wahr.