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Russischer Riese

Handball: Azat Valiullin kam vor zwei Monaten vom TBV Lemgo zu den Eulen Ludwigshafen. Der 2,07 Meter lange Rückraumspieler ist die erhoffte Verstärkung für den Tabellenletzten. Die Verantwortlichen wollen den Russen auch gerne halten. Das wird aber kaum möglich sein. Denn Valiullin darf vermutlich nicht in der Zweiten Bundesliga spielen.

Von Marek Nepomucký

Minden. Azat Valiullin saß lange nach der 26:29-Niederlage am Sonntag in Minden auf der Ersatzbank. Das Trikot hatte der Rückraumspieler über sein Gesicht gezogen. Der mit 2,07 Meter längste Spieler im Eulen-Kader kauerte auf der Bank wie ein Häufchen Elend. Zu sehr wurmte den Russen die vermeidbare Niederlage in Minden.

Dabei war Valiullin mit acht Toren der erfolgreichste Spieler auf dem Platz – wie schon gegen Flensburg sowie in Gummersbach. „Handball ist ein Teamsport, da ist es mir egal, ob ich acht oder 20 Tore werfe, wenn die Mannschaft am Ende verliert“, sagte der 27 Jahre alte Russe. Valiullin ist der Spieler, der den Eulen so lange Zeit fehlte. Ein Mann, der einfache Tore aus dem Rückraum erzielen kann. Eigentlich haben die Eulen dafür Patrick Weber. Doch der ist seit Wochen verletzt und war zuvor zu schwankend in seiner Leistung. Valiullin dagegen trifft regelmäßig. Mit 38 Toren in acht Partien ist er bester Eulen-Torschütze, gefolgt von David Schmidt (34). Außerdem kann er Abwehr und Angriff spielen. Diese Vielseitigkeit macht ihn so attraktiv. Bei seinem vorherigen Verein, dem TBV Lemgo, kam er nicht so oft zum Einsatz. Das gefiel Valiullin nicht so. Deshalb wollte er gerne zu einem Verein, bei dem er regelmäßig spielen kann. Lemgo ließ den Russen in der Winterpause nach Ludwigshafen ziehen. Dort ist er die große Hoffnung im Abstiegskampf. Er hat die Erwartungen auch voll erfüllt, doch klar ist: Valiullin alleine kann den Klassenverbleib nicht schaffen.

Dabei wäre dieser so wichtig. Denn sollten die Eulen absteigen, muss Valiullin wohl wieder gehen. Er darf nicht in der Zweiten Bundesliga spielen, sagt er. Nicht EU-Ausländer dürfen nur Bundesliga spielen. Die Rechtslage besagt, dass russische Staatsbürger, die rechtmäßig in der Europäischen Union beschäftigt sind, so behandelt werden müssen, dass ihnen wegen ihrer Staatsangehörigkeit keine Benachteiligung widerfahren darf. Die Deutsche Handball-Liga ließ gestern eine RHEINPFALZ-Anfrage dazu unbeantwortet. „Wir lassen das gerade klären. Der Berater von Valiullin sammelt die Informationen. Wir würden jedenfalls Azat gerne halten. Aber es wird finanziell nicht einfach. Es sei denn, es finden sich Sponsoren, die uns unterstützen. Denn sollten wir absteigen, wollen wir gleich wieder angreifen. Da würde uns Azat sehr gut zu Gesicht stehen“, betonte Eulen-Geschäftsführer Marcus Endlich.

Valiullin jedenfalls gefällt es in Ludwigshafen. „Die Leute sind alle sehr nett und freundlich zu mir“, betont er. Die Mannschaft sei gut. „Wir haben die Kraft, die Kondition und die Klasse, um in der Bundesliga zu bleiben. Was fehlt, sind die Punkte“, hadert der Torjäger. Punkte, die für den Verein so wichtig wären. Denn mit dem Ligaverbleib wären die Eulen einige Sorgen los. Und Valiullin könnte für die Ludwigshafener weiter so wichtige Tore erzielen.