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Gratwanderung zwischen Hoffen und Bangen

Handball: Dominik Claus und Pascal Kirchenbauer nach zweitem Kreuzbandriss auf dem Weg zurück

VON JOCHEN WILLNER

Ludwigshafen. Der Höhenflug von Dominik Claus und Pascal Kirchenbauer, zwei von vier Junioren-Nationalspielern im Kader des Handball-Zweitligisten TSG Friesenheim, wurde durch den jeweils zweiten Kreuzbandriss jäh gestoppt.

In der Eberthalle haben sie – notgedrungen – in der ersten Zuschauerreihe ihren Platz gefunden. Claus und Kirchenbauer sitzen ganz nah an der Trainerbank – und sind doch weit weg von ihrer Mannschaft.

Sowohl Dominik Claus, der wurfgewaltige Linkshänder, als auch Pascal Kirchenbauer, der Spielmacher mit hoher Spielintelligenz, haben sich 2016 zum zweiten Mal einen Kreuzbandriss mit Meniskus- und Knorpelschäden zugezogen. Claus ist in dieser Saison noch ohne Einsatz. Sein gleichaltriger Kollege feierte sein Comeback, kam sieben Mal zum Einsatz, ehe ihn das Schicksal am 18. November beim Spiel in Konstanz erneut beutelte, aber nicht resignieren lässt. „Ich komme wieder“, lautete seine SMS-Botschaft an die Mannschaft.

Es gibt eine Reihe von Gemeinsamkeiten: Beide werden im Februar 21, sie haben denselben Berater, gehören der Junioren-Nationalmannschaft und der Sportförderkompanie der Bundeswehr in Warendorf an. Beide verletzten sich diesmal nicht am bisher lädierten, sondern am gesunden Knie. Seinen ersten Kreuzbandriss erlitt Kirchenbauer beim DHB-Lehrgang Mitte Dezember 2015, Claus ereilte das zweite Malheur ebenfalls im Nationaltrikot. Genau am 22. Juli 2016 gegen die Slowenen in Herrsching, nachdem er sich die erste schwere Verletzung am 16. Oktober 2011 im A-Jugend-Spiel gegen Wolfschlugen zugezogen hatte. Claus begab sich jetzt zum zweiten Mal in die Hände von Stephan Maibaum in der Elisabeth-Klinik in Heidelberg, Kirchenbauer ließ sich erneut von Clemens Kösters an der Universitätsklinik in Münster operieren. Inzwischen befinden sich beide in der Reha bei Sportomed in Mannheim.

„Man stellt schon die Frage, warum musste das passieren oder warum schon wieder? Und warum tut man sich das alles an?“ Kirchenbauer gibt einen Einblick in sein Seelenleben: „Wenn die Schmerzen da sind, dann kommen auch die Fragen nach dem Sinn.“ Es ist eine Gratwanderung zwischen Hoffen und Bangen. Dennoch blickt er zuversichtlich in die Zukunft. „Handball ist das, was ich am liebsten tue“, sagt Kirchenbauer. Dass sein Vertrag bei der TSG noch bis Juni 2018 läuft, erleichtert die Situation.

„Es ist schwierig, sich selbst zu bremsen. Ich habe mir vorgenommen, erst wieder einzusteigen, wenn ich vollständig genesen bin“, erklärt Claus. Dass sein Kontrakt zum 30. Juni 2017 endet, darüber will er nicht nachdenken: „Mein Ziel ist, wieder gesund zu werden und mich dann langsam an den Handball heranzutasten.“ Wann und wo das sein wird, lässt er offen. In den letzten Wochen hat er sich vielmehr auch mit Plan B und C beschäftigt. Während sich Kirchenbauer jetzt verstärkt seiner Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement widmen will, steht bei Claus das Studium für das Lehramt an Gymnasien in den Fächern Deutsch und Sport im Mittelpunkt. Ganz auf Leistungssport zu verzichten, darüber dachten Kirchenbauer und Claus nur in einem einzigen Moment nach. Das war, als sie auf dem Hallenboden lagen, sich vor Schmerzen kaum bewegen konnten und die Tränen liefen.