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Ehrgeizig und erstklassig

Sportler im Blick: Ben Matschke ist Trainer des Jahres in Rheinland-Pfalz. Das hat noch kein Coach vor ihm aus Ludwigshafen oder dem Kreis geschafft. Was macht den Trainer der Eulen Ludwigshafen so besonders?[/size]
\[size=-1]Von Marek Nepomucký

Ludwigshafen. Besonderheiten erkennt man in den Kleinigkeiten. Gerade für Trainer sind solche Kleinigkeiten häufig wichtig, können entscheidend sein, ob eine Taktik für das Spiel aufgeht und misslingt, ob der Trainer erfolgreich in seiner Arbeit ist oder nicht. Ben Matschke hat viele Besonderheiten. Der 35 Jahre alte Trainer des Handball-Bundesligisten Eulen Ludwigshafen wurde am Sonntag als Trainer des Jahres in Rheinland-Pfalz geehrt. Matschke ist damit der erste Coach aus Ludwigshafen und dem Rhein-Pfalz-Kreis, dem diese Ehre zuteil wurde.

Es gibt Trainer, für die sind Titel oder Auszeichnungen besonders wichtig. Nicht unbedingt für Matschke. Er hat sich über die Auszeichnung gefreut. „Es ist eine Bestätigung und Wertschätzung meiner Arbeit“, sagt er. Mehr auch nicht. Denn Matschke hat nur eines im Blick: Ziele zu erreichen. Ein Ziel lautet, mit den Eulen Ludwigshafen in der Bundesliga zu bleiben. Dafür investiert Matschke extrem viel Energie. „Es rattert permanent in meinem Kopf“, sagt er. Ideen, Gedanken schwirren umher. Er versucht, diese dann zu bündeln, zu kanalisieren und wenn möglich auch umzusetzen. Denn Matschke ist zum einen ehrgeizig und zum anderen ein Trainer, der gerne neue Dinge ausprobiert. „Ich habe es gehasst, wenn ich als Spieler montags ins Training kam und immer das Gleiche ablief.“ Abwechslung ist ihm daher sehr wichtig. Denn mit diesem Hauch von Unberechenbarkeit will Matschke seine Spieler fordern und fördern. „Er denkt zwei Ecken voraus. Er will mit seinen Übungen auch Reaktionen provozieren“, sagt Philipp Grimm. Der teilte sich damals auf den Auswärtsfahrten das Zimmer mit Matschke, als dieser noch Spieler der TSG war. Grimm war Kapitän unter Matschke als Trainer. „Ben ist enorm weit für sein Alter als Coach“, sagt Grimm.

Das überrascht nicht und wieder doch. Ben Matschke kam spät zum Handball. Da war er 16 Jahre alt. Zuvor spielte er sehr gut Fußball. Er hätte beim Oberligisten VfR Heilbronn spielen können, durfte aber nicht. „Mein Vater hatte nicht die Zeit, mich die 20 Kilometer zu fahren“, erzählt Matschke. Er ist das älteste von sechs Kindern. Matschke fing an, Handball zu spielen. In der Kreisklasse. „Ich war aber so ehrgeizig, dass alles schnell nach oben ging“, sagt er. Der Ehrgeiz ist ein roter Faden, der sich durch Matschkes Leben zieht. Thomas König, später Coach bei der TSG Friesenheim, entdeckt Matschke und fördert ihn als Jugendspieler in Kornwestheim. Später holt er Matschke nach Friesenheim. Mit dem Verein steigt Matschke in die Bundesliga auf, wird Kapitän, muss aber 2012 nach zwei Kreuzbandrissen innerhalb von zehn Monaten seine sportliche Laufbahn abrupt beenden. Da ist Matschke 30 Jahre alt – und weiß, dass er nun Trainer werden will. Denn mit 26 hat er schon mehrere Trainerscheine bestanden.

Matschke kommt dabei zugute, dass er fünf jüngere Geschwister hat. Denn früh muss er Verantwortung übernehmen, hat früh gelernt, sein Leben, seinen Alltag zu strukturieren. Das hilft im Sport und im Leben. Die Doppelbelastung Studium und Profihandball meistert er problemlos. Heute ist Matschke Lehrer für Sport und Betriebswirtschaftslehre an einem Gymnasium in Schwetzingen. In der Großfamilie lernt Matschke auch, viel zu kommunizieren, auf Befindlichkeiten einzugehen und auf Menschen einzuwirken.

Auf den psychologischen und pädagogischen Aspekt legt Matschke als Trainer großen Wert in seiner Trainingssteuerung. Er redet sehr viel mit seinen Spielern. Er ist eine Art Vertrauensperson für sie. Er ist aber auch ein Schutzpatron. Matschke steht vor seiner Mannschaft. Er achtet darauf, dass das Team an einem Strang zieht, kein Platz für Quertreiber ist. Matschke findet immer die richtige Balance zwischen Nähe und Distanz. Der zweifache Familienvater ist sich aber auch nicht zu schade, eigene Fehler zuzugeben. Er tauscht sich daher viel mit seinen Spielern aus. Er weiß, wann er einen Spieler sanft anpacken muss, weil dieser gerade im Prüfungsstress ist. Der Austausch ist eine weitere Stärke Matschkes. Er redet viel mit anderen Trainern. „Ich tue das, um neue Impulse zu bekommen.“ Impulse, Stepp, Ziel, Aufgabe. Das sind Worte, die häufig im Sprachgebrauch von Matschke vorkommen. Als jüngster Trainer in der Handball-Bundesliga steht er erst am Anfang seiner Laufbahn – und ist doch schon so weit.