Die Eulen Ludwigshafen

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„Ben Matschke hat keine Ausstiegsklausel“

Interview: Handball-Bundesligist Eulen Ludwigshafen will sich langfristig in der Ersten Liga etablieren. Dafür wird eine Art Wirtschaftsbeirat gegründet. Geschäftsführer Marcus Endlich hat aber weitere Ideen. Vertragsverlängerungen werden schon angegangen. Der Kader soll so bleiben. Ein Gespräch mit Endlich über die Schwierigkeiten mit dem neuen Namen und eine mögliche Schmerzgrenze bei Matschkes vorzeitigem Abgang.

Herr Endlich, wie ist es, Geschäftsführer eines Vereins zu sein, den es nicht mehr gibt?
Den es nicht mehr gibt? Ah, ja. Die TSG Ludwigshafen-Friesenheim meinen Sie.

Ja, im „Kicker“ heißt es noch TSG Friesenheim, bei der „Sportschau“ manchmal Eulen Ludwigsburg, sogar im Veranstaltungskalender des Pfalzbau Ludwigshafen hieß es: TSG Friesenheim gegen TuS Nordhorn-Lübbecke.
Selbst bei unserem Medienpartner Sky sind wir noch die TSG Friesenheim, obwohl unser Pressesprecher schon mehrmals mündlich und schriftlich darauf hingewiesen hat, dass wir die Eulen Ludwigshafen sind.

Es ist ein Aspekt in Ihrem Konzept, die Marke Eulen Ludwigshafen in der Region bekannter zu machen. Wo stehen Sie bei dem Versuch?
Das Umdenken muss bei vielen stattfinden. Bei unseren Fans aber kam das sehr gut an. Wir sind im Plan.

Was heißt das konkret?
Wir haben uns Zwischenziele gesetzt, ob Zuschauer oder Sponsoring. Das geht nicht so schnell, wie es sich manche Leute vorstellen.

Stichwort Zuschauer: Sind Sie enttäuscht, dass bislang noch kein Spiel in der aktuellen Saison ausverkauft war in der Eberthalle?
Jein. Natürlich hätten wir uns das nach der Aufstiegseuphorie gerne gewünscht. Aber ich weiß, wie das Umfeld tickt, wie die Zuschauer ticken. Ab der Rückrunde wollen wir die 2000er-Marke dauerhaft knacken. Ich bezweifle aber, dass die Eberthalle sehr oft ausverkauft sein wird.

Warum die Zweifel?
Der Stellenwert der Eulen in Ludwigshafen ist noch nicht so groß. Das dauert. Viele Leute verbinden mit den Eulen keinen Bundesliga-Handball. Wir bieten aber tollen Handball-Sport. Die Eberthalle ist super für den Handball. Das sagen uns immer wieder die Auswärtsmannschaften. Die Stimmung ist gut, weil man nah dran ist. Wir müssen noch dicke Bretter bohren, damit sich in den Köpfen der Leute Bundesliga-Handball verfestigt.

Das ist aber nichts Neues. Seit 1995 spielen die Eulen in der Zweiten Liga, dazwischen dreimal Bundesliga. Was macht die jetzige Geschäftsführung anders als die Vorgänger, um mehr Leute in die Halle zu bekommen, den Klub in der Region zu etablieren?
Wir haben nun einmal nicht das üppige Budget. Viele Leute kommen und sagen, wir müssten mehr Werbung machen. Wir wollen auch über verschiedene Aktionen in der Stadt und im Umland auf uns aufmerksam machen.

Sie verwenden Slogans, die vor Monaten schon geäußert wurden. Trainer Ben Matschke sagte voriges Jahr, die Eulen sollen in der Pfalz hinter dem FCK eine feste Nummer werden. Das ist ja alles nichts Neues?
Wir haben das nun alles mal aufs Papier gebracht und wollen das jetzt kontinuierlich umsetzen. Was von den Vorgängern da umgesetzt wurde, kann ich nicht beurteilen. Ich bin ein Macher und will und werde das anpacken. Wir haben viele Ideen. Das geht nicht alles auf einmal. Das geht Schritt für Schritt.

Konkretisieren Sie bitte mal die Ideen?
Oh, wo fange ich an, wo höre ich auf. Da möchte ich aber öffentlich nicht drüber sprechen. Wir machen das einfach. Wir haben da intern Pläne und die gehen wir an.

Wir wollen auch keine internen Konzepte erfahren. Aber Sie müssen doch die drei wichtigsten Ideen im Kopf haben und nennen können?
Da ist das Marketing oder Vereins- und Schulkooperationen. Wir fahren demnächst zu Julian Nagelsmann, dem Trainer des Fußball-Bundesligisten Hoffenheim, und tauschen uns aus. Das wollen wir dann auch mal mit dem FCK machen. Kinder können nun bei uns ihre Geburtstage feiern.

Feiern ist ein gutes Stichwort: Gibt es Gründe zu feiern ob der sportlichen Bilanz?
Wir sind im Soll. Wir hätten vor der Saison nicht gedacht, dass wir nun so gut dastehen. Wir wissen aber auch, dass wir ein paar mehr Punkte haben könnten. Gerade in Hüttenberg oder gegen Nettelstedt zu Hause hätte mehr herausspringen können.

Viele Verträge laufen aus. Wer soll gehalten werden?
Wir sind aktuell mit Spielern im Gespräch. Wir wollen mit dem aktuellen Kader gerne weitermachen. Wir haben die jüngste Mannschaft in der Liga. Da ist noch Entwicklungspotenzial. Sieben Verträge laufen aus, vier Spieler haben eine Option.

Wessen Verträge enden?
Roko Peribonio, Denni Djozic, Alexander Feld, Jan Remmlinger, David Schmidt, Pascal Kirchenbauer und Oliver Heß. Kai Dippe, Patrick Weber, Pascal Durak und Gunar Dietrich haben eine Option. Alexander Falk und Robin Egelhof haben langfristige Verträge. Wir wollen mit allen Spielern sprechen und wissen, wie sie ihre Zukunft sehen und ob sie sich hier wohlfühlen.

Bis wann soll der Kader stehen?
Unser Trainer ist da ganz gelassen. Er bekommt Anfragen von Spielern, die zu uns kommen wollen. Bis Januar wollen wir alle Gespräche geführt haben. Mit Jan Remmlinger wollen wir verlängern und sind sehr weit. Mit David Schmidt wollen wir frühzeitig verlängern. Maximilian Haider soll kommende Saison fest zu uns kommen. Da geht die Tendenz hin.

Besteht da nicht die Gefahr, dass der Kader früh steht und im Falle des Ligaverbleibs nicht mehr verstärkt werden kann?
Unser Kader hat Potenzial. Wir brauchen keine drei, vier neuen Spieler. Die können wir uns auch nicht leisten. Ein, zwei Spieler wären machbar. Wir verbrennen nicht unser Geld. Wenn wir eine Million Euro mehr hätten, könnten wir sehr gut arbeiten.

Auf welcher Position wollen Sie sich verstärken?
Wir suchen einen dritten Torhüter, einen jungen und talentierten. Der soll dann Druck ausüben und aufgebaut werden, damit wir später einen nahtlosen Übergang haben. Sonst sehen wir keinen großen Handlungsbedarf, da alle Positionen gut besetzt sind.

Sprich ein Oliver Heß beispielsweise bleibt auch kommende Runde?
Die Tendenz bei ihm ist, dass er sich auf seinen beruflichen Werdegang konzentriert und hier in der Gegend Dritte Liga spielen wird.

Wie läuft die Sponsorensuche?
Wir hatten immer einen Schnitt von 80 Partnern. Derzeit sind es 108. Da ist noch Luft nach oben. Wir wollen uns breit aufstellen. 200 bis 250 Partner wären mein Traum. Da können auch kleine Partner mit 500 oder 1000 Euro dazugehören. Auch diese sind uns wichtig.

Bleiben denn die Großsponsoren?
Ja. Wir haben ihnen unser Konzept präsentiert und davon sind sie überzeugt. Ich habe ein neues Ziel. Wir wollen einen Lenkungskreis bilden, wo wichtige Partner vertreten sind, eine Art Wirtschaftsbeirat. Den werden wir aber erst zur neuen Saison ins Leben rufen.

Wie sieht der konkret aus?
Drei bis fünf Leute von strategisch wichtigen Partnern sollen da dauerhaft mit von der Partie sein. Dann wollen wir Arbeitsgruppen bilden mit verschiedenen Schwerpunkten, also Wirtschaft, Recht, Sport, Kommunikation. Es gibt da schon Interesse von Leuten. Wir wollen auch mittlere Partner ansprechen. Uns geht es um die Kompetenz. Das soll kein Stammtisch werden. Da werden Ziele formuliert und angegangen.

Hat Trainer Ben Matschke eine Ausstiegsklausel?
Nein.

Gab es Anfragen in der jüngsten Vergangenheit?
Bei uns nicht. Wir haben ihm auch mitgeteilt, dass wir ihn nicht freigegeben hätten. Er ist für uns und unsere Spieler ein ganz wichtiger Baustein. Bei den Gesprächen mit den Spielern war die erste Frage: Was ist mit Matschke? Für Sie ist er ganz wichtig. Er teilte mir persönlich mit, dass er seinen Vertrag bis 2020 erfüllen will. Ganz wichtig für ihn ist aber, Trainer in der Bundesliga zu sein. Da ist auch unser Ziel.

Wo liegt die Schmerzgrenze?
Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht, aber die dürfte schon sehr, sehr hoch sein. Es wäre ein Rückschlag für uns, wenn er uns verlassen würde. Ben hat seine Wünsche, was Umfeld und was Spieler betrifft. Wir arbeiten daran, solche Wünsche möglichst zu erfüllen.

Gesetzt den Fall, die Eulen steigen ab. Bleiben dann die Spieler, mit denen Sie schon gesprochen haben? Und bleibt ein Ben Matschke?
Also mit den Akteuren, bei denen wir schon weit sind, gilt der Vertrag auch für die Zweite Liga. Mit dem Trainer haben wir da noch nicht gesprochen. Wir denken nämlich positiv.

Die Eberthalle sieht langsam erstklassig aus. Gibt es noch Ideen, was verändert, erweitert werden soll?
Da gibt es einige Ideen. Es geht aber um optische Korrekturen. Die Eberthalle ist für Handball optimal. Was die Vermarktung angeht, sind unsere Möglichkeiten begrenzt. Wir wollen die LED-Bande hinter die Tore erweitern. Das geht aber alles nur im Einklang mit unserem großen Partner Lukom. Das wird aber erst zur nächsten Runde der Fall sein.

|Interview: Marek Nepomucky