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- Pressestelle TSG Ludwigshafen-Friesenheim

Ben Matschke: „Wir haben eine schöne Ausgangsposition“

David Schmidt, hier in der Pokalpartie gegen den THW Kiel, überzeugte im bisherigen Saisonverlauf mit glänzenden Leistungen. (Foto: Harry Reis)

(gek) Nach 18 Etappen sind die Handballer des Zweitligisten TSG Ludwigshafen-Friesenheim auf Rang sechs eingereiht. 22:14 Punkte hat das Team von Cheftrainer Ben Matschke seit dem Rundenstart am ersten Septemberwochenende geholt. In der Vorsaison hatten die Rothemden zum selben Zeitpunkt zwei Zähler mehr auf dem Konto, ein allzu großer Unterschied ist das nun wirklich nicht. Die Frage „Ist die TSG im Soll“ beantwortet Philipp Grimm, der Kapitän, eindeutig: „Auf jeden Fall.“

Die Eulen wurden vor Rundenbeginn von der Konkurrenz hoch gehandelt und immer wieder als Aufstiegskandidat genannt. Das lag einerseits am überragenden Abschneiden in der letztjährigen Spielzeit mit Platz vier in der Endabrechnung, andererseits aber auch daran, dass die Liga heuer als sehr ausgeglichen eingeschätzt worden war. Da schiebt man die Favoritenrolle gerne von sich und lieber anderen Klubs zu. Offensichtlich wurde, dass eine dominierende Mannschaft, wie noch in den Vorjahren, aufs Erste nicht auszumachen war, wenngleich dem Absteiger TuS Nettelstedt-Lübbecke eine gute Rolle zugetraut wurde und somit eine Rückkehr des TuS ins Oberhaus keine Überraschung wäre.

Die Leistungsdichte der Klubs, das zeigt der bisherige Verlauf, ist auffällig und verblüffend. Nicht ein Spieltag verging ohne ein überraschendes Resultat. Ein Beispiel für viele: Das Schlusslicht HC Empor Rostock besiegte einen Tag vor Weihnachten den damaligen Tabellenführer TuS Nettelstedt-Lübbecke. Eine weitere Überraschung: Die letztjährige Auswärtsstärke des ASV Hamm-Westfalen – 23 Zähler – ist heuer wie weggeblasen, bislang blieb der frühere Erstligist auswärts ohne einen einzigen Punktgewinn. Darüber hinaus sorgten alle Neulinge für Furore, die vom Start weg Erfolge feierten. Mit dem Ergebnis, dass zur Winterpause kein Aufsteiger auf einem Abstiegsplatz steht. Der TV Hüttenberg hat gar das Kunststück fertig gebracht und es nach ganz vorne geschafft. Dessen Platzierung auf Rang eins ist geradezu sensationell und fußt auch auf einer unglaublichen Auswärtsstärke, denn kein Klub brachte mehr Punkte von Auswärtsfahrten mit nach Hause als die Mittelhessen. „In dieser Runde gibt es keine Dreiteilung in der Tabelle, die Ausgeglichenheit in dieser Saison kann jeden nach oben oder nach unten spülen“, sagt Carsten Hoffmann, der Sportliche Leiter der Eulen. „Und da heißt es, dass du in jede Partie alles reinwerfen und immer an deine Grenze gehen musst.“ Sicher ist, dass es bis zum Saisonfinale am 10. Juni 2017 spannend bleiben wird und ein knallharter Abstiegskampf zu erwarten ist. Interessant dürfte auch das Rennen um die Aufstiegsplätze werden. Werden die Verfolger einen Verein oder gar zwei Klubs des Führungstrios noch abfangen können?

Die Handballer der TSG Ludwigshafen-Friesenheim blieben in der vergangenen, so erfolgreichen Spielzeit weitgehend vom Verletzungspech verschont. Das ist heuer vollkommen anders. Bereits die Vorbereitung, die zur Integration der Neuen ein wichtiger Mosaikstein ist, war von zahlreichen Ausfällen beeinträchtigt und gestaltete sich daher nicht optimal. „Menschlich verlief die Integration der sechs Neuzugänge völlig problemlos, in dieser Hinsicht ist sie abgeschlossen“, bemerkte TSG-Cheftrainer Ben Matschke. „Aber sportlich gab es aufgrund der Verletzungen einige Hürden und Hemmnisse, da haben wir noch Potentiale.“

Schnell eingefügt und bislang bester Torschütze: Alex Feld. (Foto: Harry Reis)

Unter keinem günstigen Stern stand für die Pfälzer das Pokalturnier in Fürstenfeldbruck, denn sieben Kaderspieler fehlten Ben Matschke. Dennoch wünschte sich der der 34-jährige Coach „gute Ergebnisse. Und ich hoffe, dass es zwei Spiele werden.“ Nachdem die Eulen am ersten Turniertag den Longericher SC mit 34:23 besiegt hatten, trafen die Rothemden im Finale auf den Erstligisten VfL Gummersbach, somit war des Trainers Wunsch in Erfüllung gegangen. Und der Underdog sorgte für einen wahrhaftigen Paukenschlag. Obwohl die TSG stark dezimiert war, gewann sie gegen den Altmeister mit 32:31 (17:16). „Das war für alle überraschend“, konstatierte Ben Matschke den Einzug ins Achtelfinale. „Da hat einfach alles gepasst.“ Die Pfälzer waren - neben der SG BBM Bietigheim - der zweite Zweitligist, dem dieses Kunststück gelang, einen ligahöheren Klub auszuschalten und die nächste Runde zu erreichen. Dass die beiden Zweitligisten heuer eine dritte Partie austragen und im direkten Duell einen Viertelfinalisten ermitteln würden, konnte an diesem letzten Wochenende im August 2016 noch niemand wissen.

Die Matschke-Formation nahm den Schwung aus dem DHB-Pokal mit in den Saisonauftakt, der gleich zwei Heimspiele vorsah. Essen wurde besiegt und acht Tage später auch der TV 1893 Neuhausen. Die beiden folgenden Auswärtsauftritte in Rimpar und in Hamm lösten Kai Dippe & Co mit Bravour. 8:0 Punkte, einen derart exzellenten Start hatten die Pfälzer noch nie hingelegt, seit sie in der Bundesliga spielen. Es folgte eine zweiwöchige Spielpause, ehe das Lokalderby in Leutershausen in der rappelvollen Heinrich-Beck-Halle über die Bühne ging. „Es herrschte eine großartige Stimmung“, erinnert sich Patrick Weber, der jedoch mit seinen Kollegen die erste Niederlage quittieren musste. „Wir wollten das zu cool machen“, merkte Ben Matschke nach dem 27:28 an. Patrick Weber: „Wir haben es in Leutershausen nicht geschafft, fünf Minuten am Stück gut zu spielen.“

Gegen den bis dato ungeschlagenen Spitzenreiter SG BBM Bietigheim kassierte die TSG eine Woche später ihre erste Heimniederlage, und schließlich gingen Martin Slaninka und seine Mitstreiter auch in Eisenach leer aus. „Dann haben wir uns wieder gefangen“, geht Ben Matschke auf die Etappen acht und neun ein. Hüttenberg wurde 25:24 geschlagen (Patrick Weber: „Eine Niederlage wäre ein Knockout gewesen.“), und als der Mannschaftsbus in Emsdetten losfuhr, waren zwei Zähler mit im Gepäck. Hinzu kam ein spektakulärer Pokalerfolg der Matschke-Schützlinge in Bietigheim. Angefeuert von rund 50 TSG-Fans, lieferten die Eulen drei Tage vor der Ausfahrt nach Emsdetten eine klasse Partie ab und qualifizierten sich durch ein verdientes 32:29 bei der SG BBM, die bis dahin noch keine Begegnung verloren hatte, zum zweiten Mal nach 2007 für ein Pokal-Viertelfinale. „Das war in dieser Situation extrem wichtig für uns“, konstatierte Philipp Grimm. „Wir haben souverän gewonnen, haben mit die beste Abwehrleistung auf die Platte gebracht und Selbstvertrauen getankt.“

Philipp Grimm: "Die Fans helfen uns in vielen Situationen." (Foto: Harry Reis)

„In der Länderspielpause wollten wir viel aufbereiten, doch viele waren weg“, schilderte Ben Matschke die Tage vor dem Match gegen den Aufstiegsaspiranten TuS Nettelstedt-Lübbecke. „Das war nicht optimal.“ Die TSG unterlag nicht nur dem Bundesligaabsteiger, sondern auch am Doppelspieltag dem Neuling Konstanz und auf eigenem Parkett dem TuS Ferndorf. Großes Pech widerfuhr Pascal Kirchenbauer, der sich in Konstanz zum zweiten Mal eine Kreuzbandverletzung zuzog. „Das war ein Schock für die Mannschaft“, kommentierte Ben Matschke diesen unglaublichen Schicksalsschlag. „Pascal war in den Wochen zuvor immer fitter und ein Stück Hoffnungsträger geworden.“

Mit der Partie in Nordhorn begann wieder eine gute Phase der Rothemden, die aus den sechs Vergleichen bis zur Winterpause 10:2 Punkte sammelten. „In einigen Spielen war das einfach nur noch Wille“, urteilte David Schmidt, der mit stabilen Leistungen auf sich aufmerksam machte. „Das Beeindruckende daran war, wie wir die verletzten Spieler kompensieren konnten, das haben wir gut hinbekommen“, lobte Patrick Weber. „Es kommt auf jeden einzelnen an, das ist immer eine Charakter- und Mentalitätsfrage. Das ist eine Qualität, die wir mehrfach bewiesen haben. Wir traten in diesen Partien wie manches Football-Team auf: Bend, but don´t break. Dass wir auch das letzte Spiel in Saarlouis gewonnen haben, hat uns ein gutes Gefühl mit in die Winterpause gegeben.“

Das Highlight schlechthin war indes das Pokalmatch gegen den THW Kiel zehn Tage vor Weihnachten. Die Auslosung löste einen regelrechten Run auf die Eintrittskarten aus und nach einem Tag war die Viertelfinalbegegnung ausverkauft. Eine ausverkaufte Halle, rotgewandete Zuschauer, wo immer man auch hinschaute, und eine phantastische Stimmung boten einen perfekten Rahmen für diesen sportlichen Vergleich. Die Formation von Ben Matschke glänzte mit einer bärenstarken Leistung und trotzte dem Rekordmeister nach 30 Minuten ein 14:14 ab. Am Ende hatte Kiel freilich ein paar Fehler der TSG kaltschnäuzig ausgenutzt und zog durch das 29:23 ins Final Four ein. Patrick Weber: „Es war ein wahnsinnig guter Abend, wir haben den Verein perfekt präsentiert.“

„Wir mussten uns personell immer wieder neu aufstellen und permanent auf die Ausfälle reagieren, das hatten wir in der vergangenen Saison so nicht“, beginnt Ben Matschke sein Fazit. „Die Mannschaft sieht schon ein, dass es weniger Spieler geworden sind. Dennoch wird intensiv trainiert, das ist super anstrengend, aber die Jungs geben in den Spielen in den letzten zehn Minuten nochmals Gas und gehen dabei an ihre Grenzen, das ist gut. Insgesamt bin ich mit dem Erreichten nicht unzufrieden, denn wir haben eine schöne Ausgangsposition.“ Was die Zuschauerzahlen betrifft, so sieht Ben Matschke „eine Weiterentwicklung, da gibt es ein sichtbar gestiegenes Interesse an der Mannschaft. So war das Pokalspiel gegen Kiel innerhalb von 24 Stunden ausverkauft. Da sind wir auf einem guten Weg. Schön ist auch, bei der Pressekonferenz von den Fans empfangen zu werden, das ist schon was.“

Mit vielen Ausfällen wurde Cheftrainer Ben Matschke konfrontiert. (Foto: Harry Reis)

Apropos Zuschauerunterstützung: Für Philipp Grimm sind die „Fans unheimlich wichtig. Das kann man nicht hoch genug hängen. So laufen wir beispielsweise bei Auswärtsspielen zu unseren Leuten, das bringt uns unheimlich weiter. Die Fans helfen uns in vielen Situationen.“ Ein Highlight nach Heimsiegen ist die von Kai Dippe inszenierte Humba vor den TSG-Anhängern, sie hat mittlerweile Kultstatus.

„Gemessen an den Begleiterscheinungen hatten wir einen unglaublich guten Start“, wertete Carsten Hoffmann die erste Saisonphase und zog ein positives Resümee der Hinserie: „Daher müssen wir mit dem bisherigen Abschneiden sehr, sehr zufrieden sein. Gerade die Partie gegen Kiel hat das Potenzial der Mannschaft gezeigt. Mir scheint auch, dass dieses Spiel dem Team einen kleinen moralischen Kick gegeben hat.“ Und blickt nach vorne: „Ich freue mich wahnsinnig auf die Rückrunde, in der wir hoffentlich vor weiterem Verletzungspech verschont bleiben. Zudem hoffen wir, dann auch einen Ersatz für Pascal Kirchenbauer präsentieren zu können.“