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Handball: Bundesligist TSG Ludwigshafen-Friesenheim hat am Samstagabend in Wetzlar mit 27:32 verloren, weil das Team zehn Minuten völlig von der Rolle war – und weil der Aufsteiger keinen Weltstar wie Ivano Balic in den Reihen hatte.

Von Marek Nepomucky

Kommt immer besser in Fahrt: der Friesenheimer Bogdan Criciotoiu (rechts). Trainer Thomas König würde ihn gerne halten. FOTO: SCHMIDT

Wetzlar. Man hätte meinen können, Kai Wandschneider will bei der TSG Ludwigshafen-Friesenheim anheuern. Der Trainer des Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar lobte die TSG am Samstag nach der 23:27 (11:20)-Niederlage in höchsten Tönen. „Die TSG ist für mich neben dem SC Magdeburg die Überraschungsmannschaft der Saison“, sagte er. Das hatte er keineswegs ironisch gemeint. Denn auch schon vor der Partie schwärmte Wandschneider von der akribischen Arbeit des Friesenheimer Trainers Thomas König: „Er überlässt nichts dem Zufall. Da ist alles genau geplant und abgestimmt.

“Am Samstagabend allerdings hat sich eine große Unbekannte in die sogenannte Detailplanung Königs eingeschlichen. Denn die letzten zehn Minuten in der ersten Halbzeit waren die Friesenheimer völlig von der Rolle. Solch einen gedanklichen Aussetzer hatte König gewiss nicht vorgesehen in seiner Spieltaktik. Wetzlar hatte bis zur 21. Minute mit 10:9 geführt, lag aber zur Pause mit 20:11 plötzlich vorne. „Diese zehn Minuten taten sehr weh“, bedauerte König. Kai Wandschneider sprach von „zehn Minuten auf allerhöchstem Niveau und von einer Augenweide“.

Allerdings hatten sich nach jener „Augenweide“ viele der 4032 Zuschauer in der zweien Halbzeit die Augen gerieben. Denn die Dominanz der HSG Wetzlar schwand zusehends. Plötzlich führten die Hessen nur noch mit drei Toren Vorsprung – und es waren noch zehn Minuten zu spielen. „Es wäre mehr drin gewesen, wenn die zehnminütige Schwächephase nicht gewesen wäre“, sagte König.

Das mag sein. Was dafür spricht, ist, dass Friesenheim bis zur 21. Minute ein ebenbürtiger Gegner war und in Bogdan Criciotoiu den besten Werfer auf dem Platz hatte. Der rumänische Nationalspieler erzielte zehn Treffer – so viel wie kein anderer Akteur am Samstag. „Was bringen mir die Tore, wenn wir am Ende verlieren?“, fragte der 24 Jahre alte Criciotoiu. Er findet sich immer besser zurecht bei der TSG. Schon beim 30:23-Sieg gegen Hamburg am Mittwoch trumpfte er auf. „Bogdan spielt mehr und hat mein Vertrauen“, erläutert König die Leistungsexplosion des Rumänen. Zu Saisonbeginn wirkte Criciotoiu zeitweise wie ein Fremdkörper in der eingespielten TSG-Mannschaft. Mittlerweile hat er die Automatismen verinnerlicht und wird verstärkt ins Szene gesetzt. Weil es so gut läuft, würde König gerne auch kommende Saison mit Criciotoiu zusammenarbeiten. Der Vertrag endet im Juni, doch bislang gab es keine Gespräche. Der Berater von Criciotoiu habe sich nämlich noch nicht bei TSG-Geschäftsführer Werner Fischer gemeldet, sagte Fischer am Samstag auf Anfrage.

Die Zukunft von Ivano Balic in Wetzlar hingegen ist geklärt: Der zweimalige Welthandballer verlässt am Saisonende die HSG – ein Verlust für die Hessen. Denn Balic war ein weiterer Grund, warum die TSG am Samstag verlor – und das sprach gegen Königs Aussage, es sei mehr drin gewesen. Balic hatte nämlich immer eine Lösung gegen die TSG-Abwehr parat. Gerade in der Schlussphase, als es noch einmal eng zu werden drohte, übte er die Führungsrolle vorbildlich aus. „Ivano hat den Unterschied ausgemacht. Ich möchte mir nicht ausmalen, wie das Spiel ausgegangen wäre, wenn er gefehlt hätte oder im Friesenheimer Team gespielt hätte“, sagte Wandschneider.