Die Eulen Ludwigshafen

Logo Die Eulen Ludwigshafen Gemeinsam alles geben DKB Handball Bundesliga
- Pressestelle TSG Ludwigshafen-Friesenheim

Philipp Grimm: "Mannschaftlicher Erfolg steht über allem"

Kein Zaubertrank ist im Spiel bei Philipp Grimm, dessen sportliche Lieblingsbeschäftigung das Torewerfen ist - Foto: Reis

(gek) Mit 223 Goals landete Philipp Grimm in der Torjägerliste der 2. Handball-Bundesliga auf dem 2. Platz, was einer Quote von 6,4 Treffern pro Spiel entspricht. Nur Bobby Schagen traf heuer häufiger in die Maschen. Der 28-jährige Linksaußen der TSG Ludwigshafen-Friesenheim verpasste aus Verletzungsgründen das Saisonfinale in Hildesheim und fehlte erstmals in einem Punktspiel. Am Donnerstag vergangener Woche endete für den gebürtigen Miltenberger ein fünftägiger Trip auf der Ferieninsel Ibiza, den er mit zehn anderen unternommen hatte und der von Marco Hauk organisiert war. Mit TSG-Pressesprecher Gerold Kuttler sprach Philipp Grimm u.a. über die abgelaufene und die kommende Saison sowie über das extreme Verletzungspech der Eulen und seine Auswirkungen auf das Training und das Spiel.

Fünf Tage Ibiza, das geht wohl ähnlich an die Substanz wie eine Zweitligasaison. Wie war´s?
Philipp Grimm: Einfach sensationell, wie immer. Wir hatten ein super Wetter, mit Maximilian Bender, Christopher Klee und Maximilian Kraushaar waren drei "Neulinge" dabei und mit Co-Trainer Frank Eckhardt hatten wir quasi eine Art "Anführer" in unseren Reihen. Wir hatten eine Menge Spaß miteinander und Christopher sowie "Bam-Bam" kamen mit etwas zurück, das sie vorher noch nicht auf der Haut hatten. Mehr möchte ich aber nicht verraten.

Ausgangs der Runde hast Du zum ersten Mal ein Punktspiel nicht bestreiten können und die Partie in Hildesheim von der Tribüne gesehen. Wie geht es Dir, und was macht Deine Knieverletzung?
Grimm: Am letzten Freitag war ich bei unseren Mannschaftsärzten Dr. Matthias Kusma und Dr. Sven Rößing. Ich habe eine Spritze ins Knie bekommen, weitere werden folgen und dann hoffe ich, dass ich das Knie wieder höher belasten kann.

Eine grimmsche Spezialität: 77-mal zappelte die Kugel nach Strafwürfen im gegnerischen Netz - Foto: Reis

Vor knapp zwei Wochen endete die zweite Saison in der einteiligen 2. Handball-Bundesliga auch für die TSG. Ein ausgeglichenes Punktekonto bedeutete schließlich Platz elf - wie im Vorjahr. Was hatte die Saison für Dich zu bieten, was waren für Dich die Schlaglichter?
Grimm: Für mich persönlich ist die Runde sehr positiv verlaufen. Ich habe meine Leistung gebracht, war zwischenzeitlich auch Kapitän, als Kevin Klier verletzt war und habe gerade in dieser Phase aus der Mannschaft positive Rückmeldungen erhalten. Nach sechs Jahren bei der TSG habe ich ein gewisses Standing innerhalb des Teams und bei den Trainern erreicht. Meine Meinung interessiert und wird geschätzt, das freut mich natürlich. Was die Mannschaft betrifft, so wird gerne bei einem ausgeglichenen Punktekonto von Mittelmaß oder einer "grauer Maus" gesprochen. Das ist zu einfach und wird dem nicht gerecht, wie das Ganze zustande kam. Es ist aber in der Tat so, dass dieses Punktverhältnis unsere Stärken weniger zeigt. Wir waren in der abgelaufenen Saison definitiv eine der Wundertüten der Liga und unberechenbar. So haben wir mit einer Rumpftruppe in Eisenach gewonnen, aber auch in Henstedt-Ulzburg verloren und in Ferndorf nur ein Remis geholt. Geprägt hat die Runde aber wieder ein großes Verletzungspech.

Vom gesamten Kader her hätte es besser laufen können, konnte aber nicht, weil viele Ausfälle ständig für Umbesetzungen sorgten und im Training die ursprünglich vorhandene Qualität fehlte. Was machte letztlich den Unterschied aus zu einem Team wie Eisenach, das als Dritter mit 13 Punkten mehr auf dem Konto ins Oberhaus aufgestiegen ist?
Grimm: Im Vergleich zu Eisenach hat uns die individuelle Klasse gefehlt, aber auch die Erfahrung. Zudem besaß Eisenach mehr Wechselmöglichkeiten. Uns fehlte auch die Tuchfühlung zur Spitze. So haben wir nach der Winterpause im Februar und März ein paar Niederlagen kassiert und so riss der Kontakt zur Spitze völlig ab. Stattdessen hatten wir auf einmal ein bisschen Kontakt nach unten, haben aber mit vier Siegen in Serie bewiesen, dass wir von der Qualität her besser waren als diese Klubs, die wir geschlagen haben.

Was für´s Lehrbuch - Philipp Grimm im Anflug - Foto: Reis

Was waren die Stärken der Mannschaft, was ihre Schwächen?
Grimm: In Situationen, in denen wir gewinnen mussten, hat die Mannschaft auch funktioniert und die Punkte geholt. Das war in Leipzig so, gegen Hamm und Ferndorf, und das Team war absolut heiß darauf, das Derby in Leutershausen zu gewinnen. Aber wir schaffen es immer noch nicht, einen Gegner, dem wir absolut überlegen sind, mal richtig abzuschießen. Andererseits hat uns die Konstanz gefehlt. Wir müssen unser Leistungsvermögen häufiger, konstanter abrufen.

Es gab in der Saison auch schwierige Phasen. Wie gehst Du damit um und was führt dazu, dass diese überwunden werden?
Grimm: Ich mache mir keinen unnötigen Druck. Am wichtigsten ist die Einstellung, die muss einfach stimmen. Ich gehe immer positiv ran. Eine gewisse Aggressivität muss auf dem Feld zu spüren und zu sehen sein. So haben wir gegen Aue gezeigt, dass wir da unten nicht reingehören. Den extremen Druck hatten wir aber nie.

Wie wirkt sich eine erfolglose Phase im Training aus?
Grimm: Nach Niederlagen, erst recht nach mehreren hintereinander, trainierst du einfach anders. Du gehst geknickt ins Training, und das willst du ja ändern. Das Training läuft angespannter ab, das ist immer wieder zu spüren. Thomas König hat das gut hinbekommen, indem er uns den Druck weggenommen hat. Und den Spaß haben wir nie verloren, nicht mal ansatzweise.

Die Trainingsqualität litt durch das Fehlen der verletzten Spieler. Richtig unschön wird dies dann, wenn das über Wochen so geht. Das gab es wohl in der letzten Spielzeit immer wieder?
Grimm: "Leider gab´s das in der letzten Spielzeit dauerhaft. Wir haben dann im Training mit A-Jugendlichen und Spielern aus der Zweiten aufgefüllt. Vorweg muss man erst einmal sagen, dass wir uns glücklich schätzen können, so viele talentierte junge Spieler zu haben, die uns helfen, solche Probleme, so gut es geht, zu kompensieren. Klar ist es im Training eine schwierige Situation. Die Jungs machen ihr Sache zwar sehr gut, wenn uns dann aber am Wochenende eine gestandene Zweitligatruppe gegenübersteht, ist das kein Vergleich zu den Verhältnissen im Training. So wurde die erste Sechs im Training in Angriff und Abwehr nicht richtig gefordert und alles ging leicht von der Hand. Dass dies dann in den Ligaspielen eine ganz andere Situation ist, ist selbstredend."

Nun geht´s ab - Philipp Grimm nimmt bei einem Konter Fahrt auf - Foto: Reis

Nach dem Weggang von Alexander Becker und Steffen Bühler stand Thomas König vor der Aufgabe, einen neuen Innenblock zu formieren. Dann fiel im Verlauf der Hinrunde Abwehrchef Ognjen Backovič mit einem Achillessehnenriss aus, der seine Erfahrung an die Jungen hätte weitergeben sollen - keine einfache Sache für alle.
Grimm: Ganz klar. Da "Batsckos" Hauptjob der in der Abwehr war, was jeder wusste, und dann für acht Monate ausfiel, war jedem klar, dass das nicht einfach werden würde. Denn es mussten drei junge Spieler, Klee, Klimek und Schmidt, den anspruchsvollsten Job, den es im Handball gibt, erledigen. Abwehrarbeit - das muss innerhalb des Teams am besten funktionieren und das muss im Kollektiv klappen.

"Kein Ende in Sicht" heißt es bei den "Toten Hosen" in ihrem Song "Tage wie diese". Übertragen auf die TSG ist das das Verletzungspech, das die Eulen seit der Rückrunde in der ersten Liga, also seit 2011, immer wieder aufs Neue trifft. So erlitt z.B. Benjamin Matschke gleich zwei Kreuzbandrisse, "Batschko" zog sich einen Achillessehnenriss zu und auch Stephan Just traf es, kaum dass er bei den Eulen war.
Grimm: Das Verletzungspech ist schon extrem und zermürbend. Dennoch ist es uns gelungen, auch mit einer Rumpftruppe sensationelle Spiele abzuliefern, in der letzten Runde beispielsweise in Eisenach oder beim BHC. Es ist zu hoffen, dass wir künftig verletzungsfrei bleiben werden. Man sieht auch am Beispiel des Erstligaaufsteigers Emsdetten, wie wichtig ein kompletter Kader ist. Der TVE vergab drei Matchbälle, weil ihm Spieler gefehlt haben. Für uns gilt, dass aufgrund der vielen Verletzten in der letzten Saison am Ende nicht mehr drin war, wenngleich jeder schon mehr erwartet hatte.

Es kommen im Vergleich zu den letzten Jahren mit Gunnar Dietrich und Stefan Lex sowie Robin Unger relativ wenige neue Spieler. Wie schätzt Du diese Spieler ein und welche Erwartungen hast Du an sie?
Grimm: Erste Erfahrungen im Seniorenbereich wird Robin machen. Für "Günnes" und Stefan gilt, dass sie perfekte, optimale Verpflichtungen sind. Beide haben in der ersten Liga mit sehr guten Leistungen aufgewartet und sind zu B-Nationalspielern geworden. "Günnes" kennt Teile Mannschaft, ist für mich so eine Art Schlüsselspieler und wird der Abwehrchef werden. Er und Stefan werden Leistungsträger werden, wobei mit Stefan noch sämtliche Abläufe einzustudieren sind.

Na, wie hab´ ich das gemacht? - Foto: Reis

Trainer Thomas König hat die Aufgabe, in der Vorbereitung ein funktionierendes Gebilde zu entwickeln, das gemeinsam in die gleiche Richtung geht.
Grimm: Maßnahmen zum Teambuilding, das wird hierbei das Entscheidende sein. Stefan gilt es zu integrieren, das wird gelingen. Die Motivation aller wird wichtig sein, ebenso ein guter Start, der immer hilft und für eine gute Stimmung sorgt.

Hältst Du es für sinnvoll, ein Saisonziel auszugeben?
Grimm: Es ist ganz schwierig, einen Platz auszugeben, den man am Ende erreichen möchte. Unser Anspruch muss sein, in der Tabelle weiter nach vorne zu kommen.

Was sind die wichtigsten Themen in der Vorbereitung auf ein Spiel?
Grimm: Man sollte sich im Vorfeld zu einer Partie nicht zu viel Druck machen. Jeder Gegner hat sein eigenes Spiel und damit eine eigene Charakteristik. Man muss in der Lage sein, Spannung aufzubauen, so dass man in jedem Spiel heiß ist. Im Guten sieht das so aus wie beim Sieg in Leutershauen und im Schlechten wie bei den Niederlagen gegen Bad Schwartau. Da sich die Mannschaften im Angriffsspiel kaum noch unterscheiden, entscheidet die Leistung in der Abwehr über Sieg oder Niederlage.

Gibt es im Handball Angstgegner?
Grimm: Es gibt Mannschaften, die dir einfach liegen, und es gibt leider auch welche, die liegen dir nun überhaupt nicht. Bad Schwartau mit seiner offensiven Abwehr bereitete uns bisher grundsätzlich Probleme. Das sieht für uns gegen Hamm und den BHC schon anders aus.

Das A und O im Handball ist eine gute Abwehr und ein guter Torwart. Du unterstreichst das?
Grimm: Voll und ganz. Im Handball gewinnt man Spiele über die Abwehr. In der letzten Saison waren wir in der Defensive oft nicht gut gestanden. Es war ein großer Nachteil, dass wir unsere Abwehr aufgrund der Verletzten immer wieder haben neu formieren müssen. Da fehlten Automatismen, die in der Defensive von so großer Bedeutung sind.

Wenn "Phil" auf der Platte unterwegs ist, ist Vollgasaction garantiert - Foto: Reis

Was bedeutet für Dich Erfolg?
Grimm: Mannschaftlicher Erfolg steht über allem, da macht es für mich kein Unterschied, wer wie viele Tore erzielt hat. Erfolg - der bringt Spaß für alle und schafft Anreiz. Und mit dem Erfolg kommen auch die vorderen Plätze.

Was macht ein Philipp Grimm in der Zeit zwischen Saisonende und dem Beginn der Vorbereitung und nicht auf Ibiza weilt?
Grimm: Ich mache das, was in der Zeit des Handballs zu kurz kommt. Mir ist die Familie wichtig, Freundin und Freunde ebenso. Ich werde nach Amsterdam fahren und auch in der Toskana ein paar Tage verbringen. Und ich freue mich darauf, wenn es dann wieder losgeht.