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„Habe traurige Momente“

Interview: Benny Matschke riss sich innerhalb von zehn Monaten zweimal das Kreuzband. Dabei hatte der Kapitän des Handball-Zweitligisten TSG Ludwigshafen-Friesenheim die erste Verletzung bestens überstanden.

Benny Matschke muss sich mit dem Gedanken an sein Karriereende auseinandersetzen. FOTO: KUNZ-HARTMANN

Herr Matschke, mittlerweile müssten Sie die medizinischen Fachbegriffe bei Kreuzbandrissen bestens erläutern können...
Ja, das ist so. Über die wichtigen Funktionen des Knies und Operationsmöglichkeiten weiß ich leider gut Bescheid.

Haben Sie den seelischen Schmerz verarbeitet?
Jein. Zehn Jahre Bundesliga-Handball haben mein Leben geprägt. Ich hatte neun Monate alles dafür getan, wieder Handball zu spielen. Im Spiel gegen Leipzig habe ich die Emotionen aufgesaugt. Ich hatte mich so auf diese Partie gefreut. Bei jedem Tor bin ich zur Bank und habe gejubelt. Ich habe das alles ganz bewusst wahrgenommen. Als ich auf der Bank saß, sagte ich zu mir: „Genieße es, genieße es.“ Nun fällt es mir an Spieltagen schwer. Da habe ich traurige Momente.

Was ging Ihnen in den Tagen, Wochen danach durch den Kopf?
Der Zuspruch der Fans war ganz toll. Am Anfang musste ich aber mein Handy weglegen. Ich wollte und konnte nicht reden. Man lag zu Hause und hat viel Zeit zum Nachdenken, weil man keine Aufgabe hat. Das macht einen etwas depressiv. Aber die Mitspieler waren super. Sie haben mir Getränke eingekauft und mich zum Arzt gefahren.

Wie konnte so etwas passieren? Sie waren doch fit?
Ja, man fragt sich schon: Warum ausgerechnet ich? Ich hatte zehn Jahre keine nennenswerten Verletzungen und dann in zehn Monaten zwei Kreuzbandrisse. Auch der damals behandelnde Arzt rief an, weil er es nicht glauben konnte. Ich hatte eine Woche vor dem Leipzig-Spiel Spitzenwerte beim Sprung und Sprint. Ich war bei zwei Ärzten vor dem Pokalspiel in Hüttenberg. Es sprach nichts gegen einen Einsatz.

Wie geht es für Sie weiter?
Im März wird das Kreuzband eingesetzt. Bis dahin werde ich versuchen, viel Muskelmasse aufzubauen. Dann ist die Reha. Dann irgendwann werde ich sehen, wie das Knie reagiert. Ich habe dann zwei Jahre kein Handball auf Top-Niveau gespielt. Ich weiß nicht, ob ich dann jemandem noch helfen kann, aber das ist jedem im Verein bewusst.

Nach dem zweiten Kreuzbandriss im selben Knie kommen zwangsläufig auch Gedanken ans Aufhören. Wie ernsthaft haben Sie sich damit auseinandergesetzt?
Ich habe darüber nachgedacht, aufhören zu müssen, weil mich die Verletzung dazu zwingt. Ich werde jedenfalls keinen dritten Kreuzbandriss riskieren, denn die Nebenwirkungen wären verheerend: Arthrose, künstliches Kniegelenk. Aber ich bin Leistungssportler und der erste Satz eines Leistungssportlers ist: Wann kann ich wieder spielen? Ich werde versuchen, mein Kapitänsamt so gut es geht auszuüben und beim Team zu sein.

Sie sollten die zweite Mannschaft der TSG Friesenheim trainieren. Das hat sich zerschlagen. Werden wir einen Benjamin Matschke an der Trainerbank sehen?
Ja. Ich habe die B-Lizenz. Ich hatte damals zuerst zugesagt, Trainer zu werden, doch ich werde bald Vater und dann habe ich mit meiner Frau über die das Traineramt gesprochen – und letztlich wieder abgesagt. Alle haben das verstanden. Mein Plan ist, irgendwann die A-Lizenz zu machen.

Interview: Marek Nepomucky