Die Eulen Ludwigshafen

Logo Die Eulen Ludwigshafen Gemeinsam alles geben DKB Handball Bundesliga
- Die Rheinpfalz

Apollo, der Familienmensch

INTERVIEW: Stephan Just vor seinem ersten Spiel für die TSG Friesenheim

Ein Mann mit Erfahrung für die TSG: Stephan Just. FOTO: KUNZ

Ludwigshafen. Handball-Zweitligist TSG Ludwigshafen-Friesenheim hat diese Woche den 33 Jahre alten Stephan Just bis zum Saisonende verpflichtet. Er soll den an der Achillessehne operierten Ognjen Backovic ersetzen. Just, in Eisenach geboren, spielte 14 Jahre in der Bundesliga. Er war zuletzt vereinslos. Marek Nepomucky sprach mit ihm über das Gefühl arbeitslos zu sein, warum ein gestandener Spieler wie er keinen Verein findet und was er von der TSG Friesenheim vor seiner Heimpremiere gegen den Spitzenreiter TV Emsdetten hält (heute, 19 Uhr, Friedrich-Ebert-Halle).

Herr Just, warum heißen Sie eigentlich Apollo und nicht Sputnik?
Die Studienkollegen meines Vaters haben ihn damals Apollo genannt. Ich hatte dann rasch den Spitznamen Apollo junior. Später dann wurde ich der Apollo, weil die alten Weggefährten meines Vaters immer noch beim ThSV Eisenach tätig waren und mich schon als kleinen Jungen kannten. Ich stelle mich den anderen Mitspielern auch als Apollo vor. Das war und ist ganz gut so. Damals in Eisenach hatten wir in einer Saison vier Spieler, die Stephan hießen. Als der Trainer den Namen rief, drehten sich alle um. Ich fühlte mich nicht angesprochen, denn ich war der Apollo. Manche Zuschauer in der Halle riefen Stephan, da hatte ich nicht reagiert. Es gab auch Spieler, die wussten gar nicht, wie ich mit richtigem Namen hieß. In Friesenheim habe ich Trainer Thomas König gesagt, er soll mich Apollo rufen, weil es sein kann, dass ich während des Spiels nicht auf Stephan reagiere. Seit Mittwoch tut er das.

Was haben Sie noch von Ihrem Vater geerbt?
Die Stimme. Es gab Tage, da riefen die Freunde meines alten Herrn an und redeten erst einmal zehn Minuten, bis ich sagte: ,Ich bin es, der Stephan. Oh, erwiderten sie dann, warum hast du das nicht gesagt?’ Ich bin meiner Familie sehr dankbar, dass sie hinter mir steht. Wie ich meinen Vater kenne, wird er beim Spiel gegen Emsdetten in der Halle sein. Er kündigt das nicht an, das hat er noch nie gemacht. In Minden war er bei 15 von 17 Heimspielen. Die Strecke von Eisenach nach Ludwigshafen ist in etwa so weit wie von Eisenach nach Minden.

Die Trainer bezeichnen Sie als einen vielseitigen Spieler, der die Bundesliga kennt. Warum findet so ein Akteur keinen Verein mehr. Sie waren jetzt drei Monate arbeitslos?
Die letzten zwei Jahre verliefen nicht glücklich für mich. Ich hatte mir den Außenmeniskus im linken Knie gerissen. Die Rückkehr auf das Spielfeld zögerte sich hin. Ich hatte dann in Lübbecke keinen Anschlussvertrag bekommen. Die anderen potenziellen Vereine dachten dann wohl, ich sei zu alt, nicht fit oder zu teuer.

Das muss dann doch frustrierend sein, wenn man spielen will, aber nicht kann.
Ja, es war erschreckend und enttäuschend. Ich hielt mich ja in Minden fit. Ich trainierte mit der zweiten Mannschaft und machte dort im Fitnesszentrum Kraft- und Ausdauertraining. Ich wollte sofort einsatzfähig sein, wenn ein neuer Verein kommt. Das ist nun die TSG Friesenheim.

Warum die TSG? Gab es auch andere Optionen?
Es gab einzelne Anfragen, aber die Vereine wollten mich nur für drei bis vier Monate verpflichten. Was kann man in dieser kurzen aber als Spieler bewegen? Die Ausgangslage für einen Anschlussvertrag war da nicht gut. Bei der TSG Friesenheim bleibe ich bis Saisonende. Was dann kommt, muss man sehen. Ich kann mich hier präsentieren. Ich habe noch Spaß am Handball und es kotzt mich noch nicht an, in die Halle zu gehen und mich dort zu quälen. Die TSG ist ein grundsolider Verein, der keine existenzgefährdenden Risiken eingeht. Hier werden Versprechungen eingehalten. Jedenfalls ist es für mich kein Abstieg, nun in der Zweiten Bundesliga zu spielen.

Zur Person

Stephan „Apollo“ Just, geboren am 3. April 1979 in Eisenach, verheiratet
Beruf: Handball-Profi
Bisherige Vereine: BSG Motor Eisenach, ThSV Eisenach, SC Magdeburg, SV Post Schwerin, GWD Minden, TuS Nettelstedt-Lübbecke
Größe: 1,91 m
Gewicht: 100 kg
Position: alle Rückraumpositionen und Kreis
Länderspiele: 14
Interessen: Familie, Golfen, hat den
B-Trainer-Schein.